Einschätzung der eigenen Risikosituation

Die privaten Haushalte sind einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass nicht alle Kunden einen Überblick über die eigene Risikosituation besitzen. So können Veränderungen in der privaten und beruflichen Lebenssituation, wie Berufs- und Wohnortwechsel, aber auch geänderte Einkommensverhältnisse, dazu führen, dass die Risikovorsorge im Laufe der Zeit nicht mehr den tatsächlichen Lebensumständen entspricht.
 
Eine persönliche Risikoanalyse, die in regelmäßigem Abstand durchgeführt werden sollte, kann helfen, die Risikoabsicherung dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.

In einem ersten Schritt werden hierfür die persönlichen Risiken identifiziert:

  • welchen Risiken sind diese Werte ausgesetzt?
  • was passiert, wenn eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit eintritt?
  • bestehen Haftungsrisiken gegenüber Dritten?
  • wie groß ist das Risiko, in einen Rechtsstreit aktiv oder passiv verwickelt zu werden?

In einem zweiten Schritt können die so erkannten Risiken nach der möglichen Schaden-höhe und der Eintrittswahrscheinlichkeit eingeschätzt werden:

  • welche der Risiken wären nach Eintritt eines Schadenfalles die Existenz vernichtend oder die Existenz bedrohend?
  • welche Risiken belasten die finanzielle Situation spürbar?
  • welche Risiken kann der Privathaushalt ohne weiteres selbst tragen?

Für jeden aktiv im Berufsleben stehenden Menschen muss als die Existenz vernichtend die erhebliche Einschränkung oder sogar der Verlust der Erwerbsfähigkeit angesehen werden. Durch eine Krankhait, einen Unfall oder Tod fällt anschließend das Einkommen ganz oder teilweise weg. Wer nach dem Verbrauch des Ersparten für die Familie auf die Hilfe des Staates setzt,  könnte leichtfertig handeln.
 
Müssen berechtigte Schadenersatzansprüche Dritter befriedigt werden, können diese die Existenz bedrohen. Es darf nicht die Möglichkeit unterschätzt werden, dass aus dem Haus- und Grundbesitz, dem Hausbau, der Tierhaltung, aus dem Betreiben von Kraft-, Luft- und Wasserfahrzeugen und aus der beruflichen Tätigkeit geschädigte Dritte beträchtliche Haft-pflichtansprüche herleiten können.  Ohne eine ausreichende Vorsorge würde der über dem Pfändungsfreibetrag liegende Teil des Einkommens nicht mehr für den Lebensunterhalt zur Verfügung stehen und zu einer spürbaren Einschränkung der Lebensqualität führen.
 
Materielle Werte können durch Elementarereignisse, Eigenverschulden oder kriminelle Handlungen Dritter beschädigt, zerstört oder abhanden kommen. Diese müssen in der Folge  ersetzt oder wiederhergestellt werden.
 
In einem dritten Schritt ist zu entscheiden, ob und wie die einzelnen Risiken abgesichert werden sollen. Hierbei ist der angenommene Höchstschaden in eine Relation zur Finanzkraft des Privathaushaltes zu bringen. Die Höhe des Einkommens und des liquiden Vermögens haben unmittelbaren Einfluss auf die Entscheidung, ob und in welcher Höhe ein Risiko zu versichern ist oder es unversichert bleiben kann. Je geringer die finanziellen Reserven sind, desto eher sollte ein erkanntes Risiko durch einen Versicherungsvertrag gedeckt werden.
 
Die Eintrittswahrscheinlichkeit und mögliche Schadenhöhe der erkannten Risikobereiche lässt sich zunächst durch gezielte Vorbeugemaßnahmen verringern. So können Brandmelder und Feuerlöscher zwar keinen Brand vermeiden, jedoch die Schadenhöhe durch rechtzeitiges Erkennen und die Möglichkeit der Bekämpfung reduzieren. Tatsächlich gelingt es jedoch nur selten, alle Risikosituationen zu vermeiden und das versicherbare Risiko allein durch Schadenverhütungsmaßnahmen deutlich zu vermindern.
 
Finanzkräftige Haushalte, die bestimmte Risiken durch die Bildung von Rücklagen auffangen wollen, obwohl diese auch über eine Schadenversicherung abgesichert werden können, handeln meist unwirtschaftlich. Es muss ein nicht unbeträchtlicher Teil des Vermögens in liquiden und niedrig verzinsten Anlageformen vorgehalten werden. Der Versicherungs-vertrag stellt hier eine attraktive Alternative dar, da nur ein Bruchteil des Vermögens für die Prämie aufgewendet werden muss und das restliche Kapital in langfristige, höher verzinsliche Anlageformen angelegt werden kann.
 
Darüber hinaus kann der Versicherungsvertrag flexibel auf die individuellen Lebensverhält-nisse zugeschnitten werden. Dieser individuelle Zuschnitt reicht von der Vollversicherung, bei der nach einem Schadenfall die Entschädigungsleistung des Versicherers exakt der Schadenhöhe entspricht, bis zu einem Versicherungsvertrag mit einem hohen Selbstbehalt und entsprechend niedriger Prämie.
 
In einem vierten Schritt sollte die Auswahl externer Dienstleister wie Makler, Berater und Versicherungsunternehmen erfolgen.

  • Vermögenden Privatpersonen fehlt oft die Zeit, sich eine Übersicht zu verschaffen, welche Risiken zu einer angemessenen Prämie bei welchem Versicherer versicherbar sind. Darüber hinaus unterliegt der Markt der Versicherungsprodukte einem permanenten Veränderungsprozess. Moderne Deckungskonzepte für die Sachversicherung bieten heute einen umfassenderen und höheren Versicherungsschutz, als es noch die vor 15 und 20 Jahren angebotenen Produkte taten.
  • Auch in den Haftpflichtsparten wurden in den letzten Jahren deutlich höhere Deckungs-summen angeboten, ohne dass die Versicherer dafür höhere Prämien verlangen. Wir haben festgestellt, dass nicht immer der prämiengünstigste Versicherungsvertrag auch der beste Vertrag ist. Denn meist zeigt sich erst im Schadenfall, ob eine falsche Entscheidung getroffen wurde.
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