Veräußerung von Lebensversicherungspolicen

Der deutsche Zweitmarkt für Lebensversicherungen ermöglicht Versicherungsnehmern, die ihre Lebensversicherungspolicen nicht mehr benötigen, diese zu veräußern und einen Mehr-erlös im Vergleich zur Kündigung zu erzielen.

Alternative zur Kündigung prüfen
Grundsätzlich sollte einer Veräußerung der Police stets eine Analyse möglicher Alternativen vorausgehen. Stellt der Lebensversicherungsvertrag einen wichtigen Baustein der eigenen Alters-, Hinterbliebenen- oder Berufsunfähigkeitsvorsorge dar, sollte die Kündigung oder die Veräußerung der Police als Option ausscheiden. Eine Alternative ist die Beitragsfreistellung oder die Reduzierung der regelmäßigen Beitragszahlung, um so die monatlichen Belastungen zu reduzieren. Der Versicherte verringert dadurch jedoch auch die Ablaufleistung und die Rendite seines Lebensversicherungsvertrages.

Soweit der Versicherungsnehmer nur einen vorübergehenden Liquiditätsengpass hat, bietet sich zur Überbrückung auch die Möglichkeit eines Policendarlehens durch den Versicherer an. Auch die Gesellschaften auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen haben Policen-darlehen in ihr Angebot aufgenommen. Hier ist ein Vergleich der Konditionen zu empfehlen.

Seit 1.1.2009 unterliegt der Veräußerungserlös meist der Abgeltungsteuer
In der Folge der Einführung der Abgeltungsteuer zum 1.1.2009 ergaben sich hinsichtlich der Besteuerung des Erlöses aus der Veräußerung eines Lebensversicherungsvertrages Änderungen, wobei zwischen Alt- und Neuverträgen zu unterscheiden ist:

Die entgeltliche Veräußerung eines vor dem 1.1.2005 abgeschlosenen Lebensversicherungs-vertrages war bislang steuerfrei möglich. Auch nach dem 31.12.2008 kann ein vor dem 1.1.2005 abgeschlossener Vertrag grundsätzlich noch immer steuerfrei veräußert werden. Dies gilt jedoch nicht im Fall einer Veräußerung innerhalb von 12 Jahren nach Vertrags-abschluss. In diesem Fall unterliegt der Veräußerungsgewinn, bestehend aus der Differenz zwischen Veräußerungspreis und den gezahlten Beiträgen, der seit 2009 geltenden Abgeltungsteuer.

Auch der Gewinn aus der Veräußerung eines nach dem 31.12.2004 abgeschlossenen Neuvertrages konnte bis zum 31.12.2008 bei Wahrung der Jahresfrist steuerfrei verein-nahmt werden. Der Gewinn aus einer nach dem 31.12.2008 erfolgten Veräußerung eines Neuvertrages unterliegt hingegen grundsätzlich (d.h. vorbehaltlich einer so genannten Günstigerprüfung  mit anschließender Antragsveranlagung gemäß § 32 d Abs 6 EStG n. F.) stets der Abgeltungsteuer. Ein Bestandsschutz für Verträge, die vor dem 1.1.2009 abgeschlossen wurden, wird entgegen der für andere Kapitalanlagen geltenden Übergangs-bestimmungen nicht gewährt. Aus diesem Grunde dürfte seit 2009 die Veräußerung in Fällen, in denen auch die Voraussetzungen für den steuerbegünstigten Rückkauf eines Neu-vertrages vorliegen, regelmäßig die ungünstigere Alternative darstellen.

 

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