Die private Krankenversicherung

Wer die Voraussetzungen erfüllt, um von der gesetzlichen Krankenversicherung in eine private Krankenversicherung zu wechseln, sollte sich die Frage stellen, ob ein Wechsel in der aktuellen und der geplanten persönlichen Lebens- und Familiensituation sinnvoll ist. Ein Wechsel in die private Krankenversicherung ist möglich, wenn absehbar das jährliche Einkommen die Jahresentgeltgrenze von € 60.750 (2019) erreicht. 

versicherte Leistungen
In einer privaten Krankenversicherung können Leistungen vereinbart werden, die über die gesetzlich festgelegten Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen. Der Versicherte kann also in der privaten Krankenversicherung einen auf seinen individuellen Badarf zugeschnittenen Versicherungsschutz vereinbaren.

Beiträge
Die Beitragskalkulation in der privaten Krankenversicherung (PKV) erfolgt einkommens-unabhängig und ist wesentlich vom Alter bei Vertragsbeginn, dem Geschlecht, dem Gesundheitszustand und den zu versichernden Leistungen abhängig. Die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung und einer Beitragsrückgewähr im Falle von Leistungsfreiheit hat Einfluss auf die Höhe des Beitrages.
 
In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt seit dem 1.1.2009 ein allgemeiner Beitragssatz, der seit dem 1.1.2015 bei 14,6 Prozent liegt. Die Arbeitgeber tragen hiervon die Hälfte. Da jedoch der allgemeine Beitragssatz zur Finanzierung der Kosten der gesetzlichen Krankenkassen nicht ausreicht, müssen die Versicherten einen Zusatzbeitrag leisten, der bei den verschiedenen Krankenkassen in 2019 bei durchschnittlich 0,9 Prozent liegt.
 
Die Höhe des Gesamtbeitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich also nach dem allgemeinen  Beitragssatz, dem Zusatzbeitrag sowie der Höhe des Einkommens des Versicherten, maximal bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze, die in 2019 bei einem Jahreseinkommen von € 54.450 liegt.
 
Familienangehörige der Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen ohne ein eigenes Einkommen sind grundsätzlich beitragsfrei mitversichert. Bei der privaten Krankenversicherung ist hingegen für jede versicherte Person eine eigene Prämie zu entrichten.
 
Bei bestimmten Krankheitsrisiken oder bereits vorliegenden Erkrankungen kann der private Krankenversicherer bei Vertragsbeginn einen Leistungsausschluss vornehmen oder einen Risikozuschlag erheben. Ausgenommen hiervon ist nur der Basistarif, der als brancheneinheitlicher Tarif von allen privaten Krankenversicherern seit dem 1.1.2009 angeboten wird und der sich an den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen orientiert. Die gesetzliche Krankenversicherung kennt keine individuellen Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge zum Beitrag.
 
Der Beitrag kann sich auch in der privaten Krankenversicherung zukünftig u. a. durch allgemeine Kostensteigerungen im Gesundheitswesen, durch den medizinischen Fortschritt und durch erhöhte Kostenbelastungen innerhalb des ausgewählten Tarifes erhöhen.

der Risikoträger
Die gesetzlichen Krankenversicherer sind rechtsfähige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Nach einem Wechsel zu einem privaten Krankenversicherer übernimmt  ein privat-rechtlich organisiertes und meist mit Gewinnerzielungsabsicht operierendes Versicherungs-unternehmen die Risikotragung.
 
Der private Krankenversicherer deckt auf der Basis eines privatrechtlich abgeschlossenen Versicherungsvertrages den dort dokumentierten Leistungsumfang für Behandlungskosten, die aus Krankheit, Schwangerschaft oder Unfällen herrühren oder durch vorbeugende oder diagnostische Gesundheitsmaßnahmen entstehen.

das Sachleistungs- und Kostenerstattungsprinzip
Die gesetzliche Krankenversicherung arbeitet nach dem  Sachleistungsprinzip. Der Versicherer stellt medizinische Sachleistungen bereit, die der Versicherte zur Krankenbehandlung in Anspruch nehmen kann, ohne dafür eine Rechnung vom Leistungserbringer (Arzt, Krankenhaus u.a.) zu erhalten.

Der privat Krankenversicherte gleicht die Rechnungen für medizinische Leistungen und Medikamente vorab aus und reicht die Rechnungsunterlagen anschließend an seinen privaten Krankenversicherer zur Erstattung weiter. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass ein Leistungserbringer (z.B. Krankenhaus, Zahnarzt bei Zahnersatz) direkt mit dem Versicherer abrechnet.

die Beiträge  der privaten Krankenversicherung im Alter
Die Prämie in der privaten Krankenversicherung beinhaltet gesetzlich vorgeschriebene Alterungsrückstellungen. Durch die von dem privaten Krankenversicherer gebildeten Rücklagen und die Überzinsen der Alterungsrückstellung ergeben sich Einnahmen, die nicht aus Beiträgen resultieren. Sind die Annahmen über die zu bildenden Rückstellungen korrekt, bleiben die Beiträge stabil. Sind die Annahmen von den tatsächlich eingetretenen Kosten, Kapitalzinsen, Veränderungen im Versichertenkollektiv abgewichen, ergibt sich eine Beitragsveränderung. Diese kann sich sowohl in steigenden als auch in fallenden Beiträgen auswirken.
 
Da die Beiträge in der privaten Krankenversicherung einkommensunabhängig kalkuliert sind, ändert sich durch das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben und damit dem Wegfall des Arbeitgeberzuschusses zur Krankenversicherung der Beitrag nicht. Jedoch wird dann der Versicherungsschutz für ein versichertes Krankentagegeld, der während der aktiven Berufstätigkeit im Krankheitsfall einen Einkommensverlust nach Wegfall des Gehaltsfortzahlungsanspruches auffangen sollte,  aus dem Vertrag herausgenommen.
 
Ab Rentenbeginn zahlt der gesetzliche Rentenversicherungsträger einen Zuschuss zum Krankenversicherungsbeitrag. Der Zuschuss bemisst sich an der Höhe der gesetzlichen Rente und ist damit meist niedriger als der zuvor erhaltene Arbeitgeberzuschuss.  
   
Eine Reihe von privaten Krankenversicherern bieten die Möglichkeit, durch einen während der aktiven Berufstätigkeit zu zahlenden, individuell festgelegten Zusatzbeitrag eine Beitragsabsenkung im Alter zu vereinbaren. Auch diese zusätzlichen Beiträge sind Krankenversicherungsbeiträge, für die im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften Anspruch auf den Arbeitgeberzuschuss besteht.
 
Alle seit dem 1.1.2009 abgeschlossenen Verträge mit einem privaten Krankenversicherer können jederzeit in den Basistarif umgestellt werden. Der Basistarif, der sich in Art, Höhe und Umfang an den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherer orientiert, garantiert den Privatversicherten, dass sie keinen höheren Beitrag zahlen müssen als den durchschnittlichen Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Höchstbeitrag beträgt in 2019 monatlich € 662,48.

gesetzlicher Beitragszuschlag in der privaten Krankenversicherung
Seit dem 1.1.2000 verlangt der Gesetzgeber für Neuversicherte in der privaten Krankheits-kostenvollversicherung einen Beitragszuschlag von 10 Prozent. Ziel ist es, das so gebildete Kapital ohne Abzug von Kosten verzinslich anzulegen, um Beitragserhöhungen nach Vollendung des 65. Lebensjahres aufzufangen.  

Von dem Beitragszuschlag, der arbeitgeberzuschussfähig ist,  sind alle ambulanten, stationären und Zahn-Tarife sowie die Tarife für Kurkosten und die Beihilfeergänzungstarife betroffen. Der Beitragszuschlag wird für alle Tarife mit Altersungsrückstellungen ab Vollendung des 21. Lebensjahres bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres des Versicherten erhoben. 

Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung
Die Rückkehr eines privat Krankenversicherten in die gesetzliche Krankenversicherung unterliegt engen gesetzlichen Beschränkungen. So ist aktuell eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nur möglich, wenn der zuvor privat Krankenversicherte wieder versicherungspflichtig wird, das 55. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und das Einkommen nicht nur vorübergehend unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt.

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